
Der Raum ist ein langer Schlauch ohne Fenster. Darin, wie ein Parcours: kleine Kommoden, Beistelltischchen, Gebrauchtes aus dem bürgerlichen Wohnzimmer wie aus der Arbeiterküche. Auf jedem Möbelstück ein Strauß. Ich weiß nichts über die Sprache der Blumen und werde sie auch nicht mehr lernen. Als Symbole geteilter Erfahrung sprechen sie hier von Versuchen zu entschuldigen, wo an Wiedergutmachung nicht zu denken ist. Was hat sich hier eingerichtet?
Belia Brückners Installationsarbeit untersucht den ‚Verzeih-mir‘- Tropenkatalog gewaltvoller Beziehungen. Das Mobiliar – laut Baudrillard Ausdruck unserer tiefsten Ängste - wird zum Sockel oder Podest, zum normalisierenden Unterbau, der den Affekthandel stützt. Emotionale und materielle Ebene sind verheiratet. Verschiedenes hält uns hier: finanzielle Abhängigkeit, gesellschaftliche Norm, die mitunter bindende Macht der Erzählung. Wie auf Grußkarten ist in Handschrift die Arbeit der Floristin vermerkt, Signalkette zur ungleich verteilten Arbeit in den Beziehungen. Was uns mitunter als persönliches oder privates Problem erscheint und auch so verhandelt wird – Stichwort: Beziehungstat – hat Struktur. Auch die Versöhnungsgeste ist schon inkludiert, d.h. wiedererkennbar. Dieses Moment der Wiederholung - zugleich erleichternd und schockierend, in der Erkenntnis nicht allein zu sein damit, diese Geschichte ist nichts Besonderes, - wird umso wichtiger festzuhalten. Entgegen der Rom-Com Logik, die auf Individualisierung und Privatisierung der sog. Liebesgeschichte besteht, eröffnet Brückners Installation ein kollektives Moment.
An der hinteren Wand zeigt ein Scan die Sicherheitsnadel in der Westentasche einer Frau und Mutter, am Körper getragene 1.000 DM, wartend auf eine Gelegenheit die Gewaltbeziehung zu
verlassen. Die Nadel hält zusammen, was zu viel Sorge trägt, erinnert and den Ursprung von Tradition aus Notwendigkeit: Frauen schenkte man zur Hochzeit Schmuck oder teure Stoffe - am Leib getragene Versicherung. Erst 1958 eröffnet die erste Frau in Deutschland ein eigenes Bankkonto – ohne dafür um Erlaubnis fragen zu müssen. Im Hintergrund, verlangsamt: die vielen Sängerinnen deren Ruhm sie auch nicht beschütz
hat.
Sophie Stadler





Photos: Hubert P. Klotzeck




Der Raum ist ein langer Schlauch ohne Fenster. Darin, wie ein Parcours: kleine Kommoden, Beistelltischchen, Gebrauchtes aus dem bürgerlichen Wohnzimmer wie aus der Arbeiterküche. Auf jedem Möbelstück ein Strauß. Ich weiß nichts über die Sprache der Blumen und werde sie auch nicht mehr lernen. Als Symbole geteilter Erfahrung sprechen sie hier von Versuchen zu entschuldigen, wo an Wiedergutmachung nicht zu denken ist. Was hat sich hier eingerichtet?
Belia Brückners Installationsarbeit untersucht den ‚Verzeih-mir‘- Tropenkatalog gewaltvoller Beziehungen. Das Mobiliar – laut Baudrillard Ausdruck unserer tiefsten Ängste - wird zum Sockel oder Podest, zum normalisierenden Unterbau, der den Affekthandel stützt. Emotionale und materielle Ebene sind verheiratet. Verschiedenes hält uns hier: finanzielle Abhängigkeit, gesellschaftliche Norm, die mitunter bindende Macht der Erzählung. Wie auf Grußkarten ist in Handschrift die Arbeit der Floristin vermerkt, Signalkette zur ungleich verteilten Arbeit in den Beziehungen. Was uns mitunter als persönliches oder privates Problem erscheint und auch so verhandelt wird – Stichwort: Beziehungstat – hat Struktur. Auch die Versöhnungsgeste ist schon inkludiert, d.h. wiedererkennbar. Dieses Moment der Wiederholung - zugleich erleichternd und schockierend, in der Erkenntnis nicht allein zu sein damit, diese Geschichte ist nichts Besonderes, - wird umso wichtiger festzuhalten. Entgegen der Rom-Com Logik, die auf Individualisierung und Privatisierung der sog. Liebesgeschichte besteht, eröffnet Brückners Installation ein kollektives Moment.
An der hinteren Wand zeigt ein Scan die Sicherheitsnadel in der Westentasche einer Frau und Mutter, am Körper getragene 1.000 DM, wartend auf eine Gelegenheit die Gewaltbeziehung zu
verlassen. Die Nadel hält zusammen, was zu viel Sorge trägt, erinnert and den Ursprung von Tradition aus Notwendigkeit: Frauen schenkte man zur Hochzeit Schmuck oder teure Stoffe - am Leib getragene Versicherung. Erst 1958 eröffnet die erste Frau in Deutschland ein eigenes Bankkonto – ohne dafür um Erlaubnis fragen zu müssen. Im Hintergrund, verlangsamt: die vielen Sängerinnen deren Ruhm sie auch nicht beschütz
hat.
Sophie Stadler





Photos: Hubert P. Klotzeck


